Torino 27 – Rezension 18/11/2009 (Sentieri Selvaggi)

CHI L’HA VISTO – WO BIST DU lief 2009 im Wettbewerb des Torino Film Festivals und wurde im Rahmen des Festivals von Tonino De Pace für Sentieri Selvaggi rezensiert. Hier könnt ihr die deutsche Übersetzung des Artikels lesen:

Der Film von Claudia Rorarius ist ein Roadmovie, das sich voller Harmonie zwischen Fiktion und Dokumentarfilm bewegt.

Das Verweben der Elemente von Wirklichkeit und Fiktion ist charakteristisch für diesen
Debütfilm, der mit ehrlicher Anteilnahme von der tiefen Unbehaglichkeit der Hauptfigur
und der Reise einer Freundschaft durch ein anderes, unscheinbares und unentdecktes
Italien erzählt, das fast noch schöner ist als das Italien, das wir kennen.

Die künstlerische Note ist nicht zu übersehen, schaut man in ein Programm eines
Festivals und es gibt keinen Zweifel daran, dass ein Film wie Chi l’ha visto die sensible
Seite von Gianni Amelio berührt hat, dessen Poetik oft das starke Bedürfnis nach einem
Vater ins Zentrum gestellt hat. Vielleicht wollte er deshalb den Film bei seinem Debüt
während des Torino Film Festivals in der Hauptkategorie im Kinosaal persönlich
vorstellen. Gianni Meurer hat eine deutsche Mutter und startet von Deutschland in
Richtung Italien, um seinen italienischen Vater zu suchen, den er kaum kennen lernen
konnte und den er seit seiner Kindheit nicht mehr gesehen hat. Deshalb versucht er, an
der bekannten italienischen Fernsehsendung Chi l’ha visto teilzunehmen, die der
Namensgeber des Films ist.

Ein Roadmovie, das sich harmonisch zwischen dem Fiktions- und Dokumentargenre und
mit einer Handkamera bewegt, die am Körper und an der Stirn des Protagonisten
befestigt ist. Ein Film, der den Charme eines Frühwerkes hat, aber nicht die
Überheblichkeit eines Debüts. Er erzählt eindrucksvoll von den Hoffnungen und Träumen
und den tiefen Ängsten der Hauptfigur. Eine lebhafte und untröstliche Figur, die hin und
her gerissen ist zwischen den Ereignissen dieses teilweise biografischen Dramas
(angefangen beim Namen des Darstellers: Filmfigur und Darsteller haben denselben
Namen) denn der echte Gianni Meurer hat seinen Vater quasi nicht gekannt, da dieser die
Familie verlassen hatte, als er noch sehr jung war.

Es ist gerade dieses Verweben der Elemente, das Schweben zwischen Wirklichkeit und
Fiktion, die dieses Erstwerk so echt wirken lassen, das nicht nur eine Geschichte erzählt,
die sich entlang deutscher Straßen schlängelt, um dann in Italien anzukommen. Sie
erzählt vor allem auch von der tiefen Unbehaglichkeit der Hauptfigur, die sich erst
verlieren muss, um ihre wahre Identität finden zu können, während sie erwachsen wird.
Filme, die aus einer (auto-) biografischen Betrachtungsweise erzählt werden, sind in den
Kinosälen des Festivals häufig zu finden. Ein deutliches Zeichen, dass das Verlangen
aufkommen lässt, seine eigenen Ängste mit anderen teilen zu wollen. Chi l’ha visto in
seiner unbefangenen Art gehört ebenfalls zu diesen Filmen. Claudia Rorarius konstruiert
einen Film mit viel Gefühl, wobei sie sich nicht nur auf das außergewöhnliche
Einfühlungsvermögen des Hauptdarstellers verlässt, sondern vor allem auf ihre Fähigkeit, Schmerz oder Freude, Hoffnung und Enttäuschung zu vermitteln, vom Set in die „Wirklichkeit“ des Films, in die gemimte und leere Fernseh-„Unwirklichkeit“ jedes
wirklichen Elementes, doch gefüllt mit der vertrauten Rhetorik, in einer traurigen Szene,
die Gianni in seinem Hotelzimmer improvisiert.

Ein Film, der nicht nur von der Suche nach dem Vater erzählt, sondern von einer Reise
einer Freundschaft durch ein anderes, unscheinbares und unentdecktes Italien. So, wie es
uns die deutsche Regisseurin zeigt, ist es fast noch schöner als das Italien, das wir
kennen. Ein Film von Claudia Rorarius, der von einem tiefen persönlichen Bedürfnis
ausgeht und dessen überzeugende Ehrlichkeit in die Herzen der Zuschauer trifft.

Rezension von Tonino De Pace für Sentieri Selvaggi

Link zum italienischen  Originaltext:
TORINO 27 – “Chi l’ha visto”, di Claudia Rorarius (Concorso)

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